Samstag, 30. März 2013

Allgemeines zu Indien (1)

Ehe ich weitere Bilder zeige, möchte ich hier noch ein paar indische Besonderheiten schildern.


In Indien sind viele Menschen als Dienstleister beschäftigt, was oft auch ihre einzige Einnahmequelle ist. Es wird immer ein kleines Trinkgeld erwartet, egal ob im Hotel, in Restaurants, rund um Touristenattraktionen, am Bahnhof, am Flughafen oder vor Toiletten. Wir mussten also immer dafür sorgen, genügend kleine Scheine in der Tasche zu haben. Man muss sich mal vorstellen, 10 indische Rupien (das sind gerade einmal 14 Cent) oder auch manchmal nur 5 indische Rupien ist das Trinkgeld, das Kofferträger, Schuhbewacher oder Toilettenpapierverteiler üblicherweise für ihre Dienstleistung bekommen. 


In Restaurants sind 10 bis 15 % der Rechnung üblich. Die Kellner warten nur darauf, einem sofort den Teller wegzunehmen, sobald dieser leer ist, egal ob man sich noch einmal etwas vom Buffet holen will oder nicht. Ungewohnt ist für uns Westeuropäer auch, dass nach der Mahlzeit sofort unaufgefordert die Rechnung an den Tisch gebracht wird und dadurch das Gefühl entsteht, dass man nun das Restaurant zu verlassen hat. 

 Auch die offiziellen ‚Representatives‘, die Touristen in Empfang nehmen und im Hotel einchecken, die Fahrer der Touristenautos und die lokalen Führer bekommen ein entsprechendes Trinkgeld, je nach zeitlichem Aufwand. Wir bekamen hierfür zum Glück vom Reiseveranstalter eine Liste mit den üblichen Beträgen.


Auch wenn es manchmal schwer fällt, die Bettler und die fliegenden Händler muss man komplett ignorieren. Nur so erreicht man, dass man in Ruhe gelassen wird. Selbst ein ‚Nein‘ ist eine Kontaktaufnahme und verhindert, dass man unbelästigt wieder bis zum Auto kommt. Häufig werden auch Kinder vorgeschickt, die, wenn das Auto anhält, zum Bettlen an die Autoscheibe klopfen. Ich habe beobachtet, dass diese Methoden immer wieder erfolgreich sind und viele Touristen am Ende doch z.B. eine wertlose Glasperlenkette kaufen, nur um den Händler endlich wieder los zu werden. Aufpassen muss man auch, wenn man ungefragt Inder fotografiert, denn oft wird anschließend eine Bezahlung verlangt, die ziemlich nachdrücklich eingefordert wird.


Was meine Tochter (kurze blonde Haare und sehr helle Haut) genervt hat, war, dass ständig eine indische Handykamera ungefragt auf sie gerichtet wurde. Viele Inder können sich den Besuch der touristischen Attraktionen ihres Landes auf Grund der sehr moderaten Preise für Einheimische (10 bis 25 Rupien) leisten, alle Ausländer bezahlen in der Regel offiziell 250 Rupien (ca. 3,60 EUR). Inder sind als ausgeprägte Familienmenschen häufig mit der ganzen (Groß-)Familie unterwegs und beobachten dabei gerne die Fremden, die ihr Land besuchen.


Man darf sich in Indien nicht wundern, wenn man über seine Familie ausgefragt wird, denn das ist neben der Unterhaltung über Automarken der übliche Smalltalk. Es kommen also Fragen nach der Anzahl der Geschwister und was und wo diese arbeiten, was der Ehemann von Beruf ist usw. Die Inder, die inzwischen zur Mittelschicht zählen, erzählen aber auch sehr gerne und oft mit viel Stolz aus ihrem Privatleben. Manchmal bekommt man dann sogar Handybilder von der Hochzeit oder der künftigen Braut gezeigt.

Ich denke, ich werde später noch einmal über unsere Gespräche mit den Touristenführen und Fahrern erzählen, über die wir noch so manches über dieses Land auch zu Themen wie Kastenwesen, Familie, Frauen und Religion erfahren konnten.

Kommentare:

  1. War das deine erste Reise in den asiatischen Bereich? - Diese Reise wirst du bestimmt nie vergessen, denn es sind ja vollkommen andere Eindrücke, die man dort gewinnen kann.
    Bist du schon wieder ganz hier angekommen?

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    1. Ja, ich war zum ersten Mal in Asien. Meine Tochter, die bereits mit ihrem Mann in vielen Ländern der Erde unterwegs war, hatte mir diese gemeinsame Reise zum 60. Geburtstag geschenkt und es ist war wirklich ein Eintauchen in eine andere Welt.

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  2. Liebe Bellana, gut, dass du Leute hattest, die dir das alles beigebracht haben. Unsereins kennt sich ja nicht damit aus.
    Aber dass deine Tochter immer fotografiert wurde, war bestimmt auch unangenehm.
    Liebe Grüße
    Bärbel

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  3. Das erinnert mich doch sehr an meine Eindrücke in Ägypten vor vielen Jahren. Damals waren wir auch kurz nach einem Anschlag eine der wenigen (Individual)- Reisegruppen, die Luxor und das Tal der Könige etc. besuchten, da war es mit der Bettelei schon besonders heftig.
    Liebe Grüße
    Elke

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  4. Schön, dass Du uns auch solche Dinge erzählst.
    Die Bettelei haben wir sogar auf Rhodos erlebt. Unser Reiseführer bat uns, den Kindern kein Geld zu geben. Sie werden auf alle möglichen Weisen unterstützt, das Betteln aber wollen sie nicht lassen, ist bei Touristen eine gute Einnahmequelle.

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